Diese Webseite nutzt Cookies

Diese Webseite nutzt Cookies zur Verbesserung des Erlebnisses unserer Besucher. Indem Sie weiterhin auf dieser Webseite navigieren, erklären Sie sich mit unserer Verwendung von Cookies einverstanden.

Handel mit Grund und Boden führt öfter zu Spekulation.

Das befristete kostenlose Nutzungsrecht an Grund und Boden


Wie könnte eine Neuordnung der Bodennutzung aussehen?

Grundstücke sind nur begrenzt verfügbar: Erdoberfläche abzüglich Weltmeere, Binnengewässer, unerschlossene Gebiete, Naturschutzgebiete. Diese sollten der Bevölkerung im Rahmen von Rechtsbeziehungen, und nicht abhängig von der Kaufkraft, zur Verfügung stehen (kein Spekulationsobjekt). Die Zuteilung kann durch Gemeindekommissionen, aufgrund eines Bodenzuteilungsgesetzes, erfolgen. Nutzer erhalten ein befristetes Recht (nicht mehr Grundeigentum) an einer Parzelle (heute als Baurecht bekannt). Bodennutzungsrechte-Inhaber können idealerweise Wohn(bau)genossenschaften sein. Diese bieten Sicherheit gegenüber Investoren und Kapitalgebern. Hypotheken entfallen, weil der Boden durch das befristete Verfügungsrecht keinen Preis mehr hat.
Nutzer zahlen kein Entgelt in Form einer Bodenrente (beispielsweise Baurechtszins), weil das befristete Bodennutzungsrecht ohne finanzielle Gegenleistung übertragen wird. Der derzeitig übliche Eigenkapital- oder Baurechtszins auf den Bodenwert entfällt und damit auch die Wertsteigerung und die Bodenspekulation.


Wie könnten Investitionen erfolgen?

Beispiel «Produktion» (Industrie, Gewerbe, Handwerk): Ein Unternehmer, eine Assoziation (Produzent, Händler, Konsument) erhält das Recht zur Nutzung einer Parzelle durch die Zuteilungskommission. Gegen den Entscheid gibt es Rechtsmittel (Korruptionstendenzen sind zu bekämpfen).

Beispiel «Investor» (Wohn(bau)genossenschaft, Stiftungen): Ein Initiant erhält das Nutzungsrecht einer Parzelle, bebaut diese und vermietet sie (stellt sie einem Nutzer zur Verfügung). Eigentum an Häusern und Wohnungen gibt es so nicht mehr, keine vererbbaren, aber einseitig unkündbare Dauermietverträge (maximal auf Lebenszeit, heute als Wohnrecht bekannt).
 

Wie könnte eine zukünftige Mietpreisbildung aussehen?

Passende Stichworte dafür sind: gerecht, ausgewogen, verhältnismässig (also nicht mehr wie heute oft: unverhältnismässig).

Wohnen: Bei der Kostenmiete wird der Teil, der ein Drittel (1/3) des Einkommens übersteigt, individuell aus Mietenausgleichsfonds (heute bekannt als Solifonds) – gebildet aus freiwilligen Zuschlägen zur Kostenmiete – des Rechteinhabers gemildert.

Produktion: Die Gesamtmiete enthält die Kosten der Investition – diese ist abhängig von der Lebensdauer – sowie die Kosten der Finanzierung.


Wie könnte eine Übergangslösung vom heutigen System zum befristeten Nutzungsrecht aussehen?

Vom Grundeigentum zum Allgemeineigentum: Die öffentliche Hand und gemeinnützige Institutionen, die sich verpflichten, die Parzellen nicht weiterzuverkaufen, kaufen stetig Immobilien und ermöglichen die Nutzung gemäss obiger Beschreibung.

 

Zielsetzung

Der Ertrag aus der natürlichen Produktivität von Grund und Boden – im Sinne der Grundrente – ermöglicht durch gesetzlich geregelte Abgaben (Steuern) die Teilfinanzierung kultureller, gesellschaftlicher, sozialer Aufgaben (Bildung, Alter, Krankheit).
 


Dieser Text entstand aus der Beschäftigung mit Rudolf Steiners Vorschlägen zur Sozialen Dreigliederung.

© Christoph Oling, Dornach 1985

Bodenrechtsbegriffe

In der Ökonomie kennt man zwei Begriffe – oft wird auch gar nicht differenziert – rund um das Bodenrecht: Die Grundrente und die Bodenrente.

Unter Grundrente wird meist der Ertrag aus Grund und Boden verstanden, der auf der natürlichen Produktivität des Bodens beruht. Hier wird zwischen erneuerbarer Produktivität (Fruchtbarkeit) und nicht erneuerbarer Produktivität unterschieden (Bodenschätze).

Unter Bodenrente wird in neuerer Zeit der Ertrag verstanden, der auf Grundeigentum (ohne Arbeitsleistung) beruht (Kapitalzins, Baurechtszins, Wertsteigerung des Bodens aufgrund von Angebot und Nachfrage). Die Folge dieses «Ertrags» ist bekannt: Immobilien werden abgerissen und neu gebaut, oder aufwändig renoviert. Dies, um höhere Renditen (Mieten) zu erreichen, oder als Eigentumswohnungen hohe Verkaufserlöse zu erzielen.

Gini-Index

Mit diesem statistischen Koeffizienten, dem Gini-Index, lassen sich Vergleiche abbilden. Diese Methode wurde vom italienischen Statistiker Corrado Gini zur Darstellung von Ungleichverteilungen entwickelt. 

Der Koeffizient für Eigentum an Grund und Boden ergibt für die Schweiz den Wert von 0.74 (1 = Privateigentum, 0 = freie Bodenzuteilung). 

Dornach, Blick nach Süden | © Jon Arnold Images Ltd, Alamy Stock